Die Umsetzung des aus Bundesmitteln geförderten Programms offenbart erneut Probleme

Die Richtlinie zur Realisierung des Digitalpakts in sächsischen Schulen sollte mit „ungenügend“ bewertet werden. „Die Umsetzung widerspricht den eigenen Zielen des Freistaats“, meint Heiko Reinhold vom Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen.
Als Beispiel verweist er auf die sächsische Nachhaltigkeitsstrategie, in der die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung eine besondere Rolle spielt. Dazu gehören etwa Lebenszykluskosten, die den Energiebedarf, die Servicefreundlichkeit, Möglichkeiten zum Recycling und bestimmte Gütezeichen einschließen.
„Nichts davon ist in der Richtlinie enthalten. Die Verantwortung wird individuell an die Schulträger abgegeben, die sich jedoch oft überfordert fühlen und Unterstützung suchen“, so Reinhold. „Da werden schnell irgendwelche Bedarfslisten geschrieben. Es ist bedauerlich, dass es bei solchen Förderprogrammen oft darum geht, möglichst schnell möglichst viel Geld auszugeben.“ Selbst aus manchen Schulen sei diese Klage zu hören, wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand.
Insgesamt stehen für den Digitalpakt bundesweit fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Ob die notwendigen pädagogischen Konzepte sowie die entsprechenden Lehrkräfte vorhanden sind, ist fraglich. So sind beispielsweise eine professionelle Videokamera und der Schnittrechner dazu erst sinnvoll nutzbar, wenn es Lehrer/-innen gibt, die sie einrichten, ein Konzept für ein Filmprojekt haben und die komplexen Programme beherrschen.
Bereits beim Vorgänger-Projekt MEDIOS („Medienoffensive Schule“) des Freistaats wurde vielerorts beklagt, dass Praxisnähe und eine langfristige Wirkung fehlen.
Das Sächsische Staatsministerium für Kultus ist aktiv an der „Landesstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung“ beteiligt. Dass „nachhaltige Entwicklung“ nicht nur gelehrt, sondern auch in allen Bereichen umgesetzt werden muss, dass die Schulen dabei als Vorbild wirken müssen, scheint leider noch nicht bewusst geworden zu sein.

Weitere Informationen:

Bundesprogramm

Sächsische Richtlinie

(Pressemitteilung vom 13. März 2020)